Wie putzt man altes Silber?
Über die Pflege von Vintage-Silber und Versilbertem.
Silber ist eine dankbare Diva
Silber, und auch Versilbertes, hat so viele positive Eigenschaften – aber auch ein bisschen eine launenhafte Natur.
Zwei Eigenschaften machen aus, dass Silber besonders behandelt werden möchte: Erstens ist es sehr weich. Gebrauchsspuren auf Oberflächen sind vorprogrammiert und zählen zur erwünschten Patina – Kratzer und Dellen sind unerwünscht und wollen vermieden werden.
Zweitens läuft Silber an. Warum das so ist, erklärt besser der Chemielehrer – was man dagegen tun kann, erklären wir jetzt hier.
Verschiedene Methoden des Silberputzens
Um Silber einfach zu reinigen, reicht das Spülen aus – von Hand oder in der Spülmaschine.
- Modernes Silberbesteck darf in die Spülmaschine – getrennt von anderen Metallen in separaten Fächern des Besteckkorbs.
- Alle Silberteile mit Holz-, Horn-, Knochenbestandteilen oder Bastumwicklungen am Griff dürfen nicht in die Spülmaschine.
- Altes Silberbesteck mit geformten Griffen (insbesondere Messer und Vorlegeteile) darf nicht in die Spülmaschine, weil der alte Kitt, mit dem die Besteckteile verbunden sind, sonst aufweicht.
Im Zweifel – spüle es lieber von Hand!
Um aber Silber wieder in silbernes statt schwarzes Material zu verwandeln, musst du polieren und putzen. Ich habe einen Überblick über verschiedene Methoden zusammengestellt – das ist hilfreich, wenn du das erste Mal vor einem Haufen schwarzen Metalls stehst.
Für alle Methoden bis auf eine gilt im ersten Schritt: Zeitungspapier auslegen und eine Schürze anziehen. Silber putzen ist eine schmutzige Angelegenheit – und ich möchte weder die Arbeitsfläche noch meine Kleidung in Mitleidenschaft ziehen.
Silberpolitur fest und flüssig
Im Handel gibt es verschiedene Produkte zum Silberputzen. Im Wesentlichen in Form von flüssiger Lotion und fester Paste. Beide werden mit Schwamm oder Lappen aufgetragen und anschließend polierend wieder abgenommen.
Bitte lies in jedem Fall die Anweisung auf dem Mittel, das du benutzen möchtest. Im Folgenden schildere ich meine Vorgehensweise – die sich für mich bewährt hat, für die ich aber ausdrücklich keine Garantie ausspreche!
Bevor ich mit der Politur – ich benutze meistens ein flüssiges Mittel – loslege, spüle ich die Objekte einmal kurz ab. Weniger, weil sie wirklich schmutzig sind, sondern weil ich allen Staub von den Oberflächen entfernen will. Der Staub wirkt sonst wie feines Schmirgelpapier beim Putzen: Besonders bei glänzenden, glatten Oberflächen hinterlässt das auf Dauer Spuren. Denn, siehe oben – Silber ist weich.
Das Abstauben geht auch mit einem feinen Pinsel, aber unter dem Wasserhahn finde ich es komfortabler.
Anschließend reibe ich mit einem weichen Tuch die Politur gleichmäßig auf mein Silberstück. Als wollte ich es eincremen. Mit einem weiteren Tuch geht es dann ans Polieren. Hier siehst du schon, wie sich der Lappen im Nu schwarz färbt – das ist das Angelaufene, das du vom Silberstück abträgst. Wechsle immer wieder den Bereich deines Lappens auf ein frisches Stück. Ganz schnell ist der gesamte Lappen schwarz!
Hier kommt die Schürze ins Spiel: Ich halte oft große Gegenstände fest vor dem Oberkörper, um mehr Druck ausüben zu können. Die Schürze ist anschließend schwarz.
Hier gilt: Viel hilft viel. Je länger und je intensiver du polierst, desto glänzender dein Ergebnis. Vorsicht ist geboten bei Gravuren und nur dünn versilberten Gegenständen, aber dazu separat im Beitrag „Über das Totputzen von Silber".
Handschuh
Weiterhin gibt es weiche Handschuhe: Das sind grob geschnittene Fäustlinge aus weichem Material, die mit Pflegemittel imprägniert sind. Sie sind nicht geeignet, um wirklich viel Anlauf vom Silber zu entfernen, sondern um geputztes Silber noch auf Hochglanz zu bringen, bevor es auf den Tisch kommt.
Ich habe zwei solcher Handschuhe. An jeder Hand einen kann ich so die silbernen Stücke anfassen und polieren zugleich. Es ist, als würde ich ein bisschen mit ihnen spielen. Das glatte Material und die schönen Linien nachzeichnen. Das schöne Material streicheln – aber mit festem Druck.
Erster Tipp: Wenn du geputztes Silber in die Hand nimmst, speziell die Stücke mit großen, glatten Flächen wie Tabletts, Schalen oder Kannen, hinterlässt du mit jeder Berührung einen Fingerabdruck. Den kannst du etwas später dann deutlich als Muster im Angelaufenen erkennen. Darum tragen Silberschmiede und Juweliere oft Baumwollhandschuhe, wenn sie Silber anfassen. Ich ziehe dann meine Polierhandschuhe an – das geht genauso gut.
Zweiter Tipp: Ich bewahre meine Polierhandschuhe in einer Plastiktüte auf – es steht nirgendwo, aber ich habe den Eindruck, das hält sie länger „frisch".
Dritter Tipp: Ein Paar Polierhandschuhe sind in meiner Kiste mit Putzzeug – klar, da gehören sie hin. Einen weiteren Handschuh habe ich in meiner Besteckschublade. Wir benutzen jeden Tag silberne und versilberte Besteckteile, und ich poliere häufig noch mal eben drüber, bevor sie auf den Tisch kommen.
Dies ist übrigens die Methode, die auch ohne Schürze funktioniert.
Silberbad
Das Silberbad ist ein Tauchbad zum Silberputzen. Davon braucht man sehr viel, weil das Objekt komplett untergetaucht werden muss. Ich wende es in einem Plastikgefäß an, ich habe verschieden große Wannen und Schalen nur für diesen Zweck. Ein Tablett braucht ein anderes Format als eine Teekanne, wenn es um das komplette Untertauchen der Stücke geht. Nützlich: Große Joghurtbecher und Eiscremedosen. Und die gute alte Spülschüssel. Anschließend wird die Flüssigkeit bis zum nächsten Mal wieder in den Kanister umgefüllt – sie lässt sich durchaus mehrmals verwenden. Halte dafür einen Trichter bereit.
Die Flüssigkeit ist verhältnismäßig teuer, spart aber durchaus Zeit für eine erste, effiziente Reinigung. Anschließend polieren muss man meiner Erfahrung nach trotzdem, auch wenn die Hersteller es anders beschreiben.
Diese Bäder sind pure Chemie und sehr effizient. Die Effizienz ist hier aber durchaus mit Aggressivität gleichzusetzen. Bitte nur mit Handschuhen verwenden und unbedingt die Anleitung befolgen. Insbesondere was die Dauer der Anwendung betrifft: Hier ist nicht „Viel hilft viel" die Devise – sondern „Zu viel zerstört".
Außerdem stinken die Bäder bei der Anwendung wie ein Chemielabor nach einem Versuch mit Schwefelwasserstoff. (Der ist übrigens an der Prozedur auch wirklich beteiligt.)
Mein Rat: Silberbad lohnt sich nur, wenn du ständig viel Silber zu putzen hast und gehört nur in geübte Hände. Ich habe damit schon großartige Erfolge erzielt – aber auch manches Stück ruiniert.
Alufolie, Salz und heißes Wasser
Es kursieren viele Anleitungen über die Alufolien-Methode im Netz – und genauso viele Meinungen über ihre Wirksamkeit im Vergleich zu ihrer Schädlichkeit. Dem möchte ich hier gar nichts hinzufügen.
Aber ich möchte meine Vorgehensweise und meine Erfahrungen mit dieser Methode schildern.
Ich wende sie in meiner Edelstahlspüle an. Diese kleide ich großzügig mit Alufolie aus und fülle Salz hinein und übergieße das dann mit heißem Wasser. Je heißer, desto besser, ich ergänze das heiße Leitungswasser mit 2 Litern kochendem Wasser aus dem Wasserkocher.
Anschließend die Silberobjekte hinein und Nase zuhalten – der Gestank, der entsteht, erinnert stark an faule Eier. Kein Wunder, auch hier ist Schwefelwasserstoff mit von der Partie.
Nach relativ kurzer Zeit kannst du die Stücke entnehmen – und wirst einen deutlichen Unterschied erkennen. Besonders effektvoll ist das natürlich bei sehr stark angelaufenen, schwarzen Teilen.
Anschließend abspülen, abtrocknen und eventuell noch nachpolieren.
Zur Schädlichkeit, insbesondere bei versilberten Objekten, ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Ich benutze ein über 90 Jahre altes versilbertes Besteck. Es hat eine 100er Versilberung und ist im Laufe seines Lebens zigmal so gereinigt worden – und bisher musste ich es nicht neu versilbern lassen. Obwohl diese Methode als Silber abtragend beschrieben wird.
Das ist ein eigener Erfahrungswert – keine Garantie.
Zahnpasta
Ab und zu sehe ich noch die Empfehlung, Silber mit Zahnpasta zu putzen, weil das günstiger sein soll als Silberpolitur. Ich habe es an einem Stück ausprobiert, um eine eigene Erfahrung zu haben – und fand es nicht nur nicht sehr wirkungsvoll, sondern auch schädlich für das Silber. Es ist regelrecht, als würde man dem Silber ein Peeling verleihen – und das, siehe oben, mag das weiche Material gar nicht gern.
Scheuerschwämme, Bürsten und spitze Gegenstände
Aus dem gleichen Grund sind alle Arten von Scheuerschwämmen und spitzen Gegenständen tabu für das Putzen und Polieren von Silber. Das gilt auch für Schmutzradierer-Schwämme!
Für alle Methoden, außer für das Silberbad, gilt: Viel hilft viel. Je öfter du deine Silberschätze so behandelst, desto leichter fällt es, sie auf Hochglanz zu bringen. Ist das Silber erst einmal so richtig angelaufen und tiefschwarz, musst du die Prozedur des Auftragens und des Polierens immer und immer wieder wiederholen, um einen Effekt zu sehen.
Extra-Tipp: Benutztes Silber braucht man fast gar nicht zu putzen, das erledigt sich dann durch Benutzen, Spülen und Abtrocknen von selbst. Unbenutztes Silber liegt in der Schublade und ärgert sich schwarz!
Mit dieser Übersicht über die Methoden des Silberputzens bist du gerüstet, um das geerbte Besteck und den schwarzen Flohmarktfund zu traktieren. Ich wünsche dir viel Spaß dabei und glänzende Ergebnisse!