Wie spüle ich antikes Glas: Über den Umgang mit Vintage- und antiken Gläsern, Flaschen, Karaffen und Schüsseln aus Glas und Kristall
Mit alten Gläsern und altem Kristall musst du mindestens genauso vorsichtig umgehen wie mit neuen Stücken. Darüber hinaus kannst du einige zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um die zarten und zerbrechlichen Schätze zu schonen und zu erhalten.
Spülmaschine – Ja oder Nein?
Nein. Für die Spülmaschine sind die Gläser von früher nicht gemacht. Mit oder ohne Goldrand möchten sie lieber von Hand gespült werden.
In der Spülmaschine laufen sie Gefahr, blind zu werden. Stücke mit dickem Boden können wegen der hohen Temperatur sogar platzen – das gilt übrigens auch für neue Gläser.
Was muss ich beim Spülen von Hand beachten?
Ganz vorsichtig, ein Glas nach dem anderen in warmem Spülwasser abwaschen. Vermeide den Hausfrauen-Würgegriff bei Stielgläsern: Das Drehen des Glases, während du den Stiel festhältst und den Kelch umfasst, ist riskant, dabei brechen leicht die Stiele durch. Fasse Gläser beim Spülen immer nur am Kelch an. Das gilt auch beim Abtrocknen!
Wenn du ein Spülbecken aus Stein oder Porzellan hast, empfehle ich entweder eine Spülschüssel – oder das Auslegen des Beckens mit einem Handtuch. So vermeidest du, versehentlich anzuecken und Bruch zu verursachen.
Für schmale Gläser und enge Flaschenhälse besorge dir eine lange, schmale Spülbürste, mit der du in schmale hohe Karaffen kommst. Es gibt solche aus Draht, die du entsprechend in Form biegen kannst – sehr praktisch, dann kommst du sogar um die Ecke.
Milchiges Glas – Kalk und Rückstände entfernen
Für Rückstände in Karaffen oder Flaschen kannst du Reinigungskugeln oder Reinigungsperlen verwenden, damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Kleine Metallkügelchen werden in die Karaffe gegeben und in Wasser hin und her und im Kreis geschwenkt. Es dauert ein bisschen, aber nach und nach lösen sie so die angetrockneten Reste von Sherry oder Rotwein. Bei Kalk dauert es länger. Durch ein Sieb abgießen und trocknen lassen – so kannst du die Kügelchen immer wieder verwenden.
Für Ablagerungen von Kalk, die aus der glitzernden Karaffe eine stumpfe Flasche machen, nehme ich aber lieber Essig oder Zitronensäure. Das geht schneller und bequemer. Kurz einwirken lassen, ausspülen und schon glänzt es wieder. Manchmal musst du die Prozedur ein paar Mal wiederholen – aber dann!
Bei stumpf gewordenen Gläsern kannst du diese Methode auch anwenden. Häufig verwendete Trinkgläser können aber auch in ihrer Struktur beschädigt sein – dann bleiben sie leider dauerhaft blind und milchig.
Abtrocknen und Polieren
Zum Abtrocknen von Glas und Kristall sind Trockentücher aus dünnem Leinen am besten geeignet. Leinen fusselt nicht und hinterlässt keine Spuren auf dem Glas. Leinen finde ich sehr viel schöner und auch angenehmer anzufassen als die hierzu oft verwendeten Mikrofasertücher: Warum Kunststoff, wenn es eine Naturfaser für den gleichen Zweck gibt?
Nach dem Spülen mit seifigem Wasser lässt du kurz klares, heißes (!) Wasser drüber laufen und stellst sie zum Abtropfen kurz kopfüber hin.
Denk beim Abtrocknen daran, Stielgläser nur am Kelch anzufassen!
Lagerung
Genau wie Porzellan braucht auch Glas und Kristall vor allem Platz – vermeide Anecken und ineinander Stapeln.
Wenn es nicht anders geht, lege beim Stapeln Klapperdeckchen zwischen Gläser, Schüsseln oder Schalen. Klapperdeckchen sind ein absoluter Liebling in Hansens Gasse. Das sind kleine Stücke Textil, die zwischen die einzelnen Stücke gelegt werden, um beim Stapeln Kratzer und Macken zu vermeiden.
Klapperdeckchen können aus Filz ausgeschnitten werden oder aus etwas dickeren Stoffresten. Auf Maß für die jeweiligen Stapel. Beliebt sind auch gehäkelte Klapperdeckchen – Stäbchen häkeln im Kreis, das verbraucht auch jede Menge Garnreste.
Alte Gläser zu bewahren und zu pflegen ist also gar nicht so aufwändig. Scherben bringen zwar angeblich Glück – aber wir wünschen dir lieber lang anhaltende Freude an intakten, glänzenden Gläsern!