Über Vintage-Stile: Was ist der Landhausstil?
Landhaus, mit leichten Variationen auch Farmhaus- und Cottage-Stil, orientiert sich am Leben auf dem Land.
Vorausgeschickt sei das, was er nicht ist: Die wuchtigen Kiefernholz-Möbel, die speziell in Deutschland in den 80er und 90er Jahren als Landhausmöbel deklariert wurden.
Was er ist: Funktionale Möbel und Gegenstände aus schlichtem und natürlichem Material. Hocker, Tische, Tellerregale und Fliegenschränke ohne Schnörkel und Verzierungen. Keramikgeschirr, Kupfertöpfe und Baumwolldrucke. Handgewebtes Leinen aus der Aussteuer und liebevoll gehäkelte Spitzendeckchen.
Die Schönheit kommt gerade aus der Schlichtheit dieses Stils. Ein Beispiel für den Landhausstil sind die Möbel und Gebrauchsgegenstände der Shaker. Eine Definition könnte auch lauten: Wenn man solange alles weglässt, was unnötig ist, entsteht nicht nur ein funktionales Stück, sondern einfach (sic!) gutes Design.
Regionale Ausprägungen des Landhausstils
Im Landhausstil gibt es Ausprägungen, die durch die Herkunft der Dekorationen und Möbel bestimmt sind.
Viele Accessoires kommen aus Frankreich – hier ist der Stil geprägt von hellen Farben und leichten Materialien. Ein Bauernhaus in der Provence, ein Steinhaus in einem Weinberg sind die – allerdings meist stark idealisierten – Bilder, die diesen Stil kennzeichnen. Kupfertöpfe in der Küche, Leinenvorhänge am Fenster. Im französischen Landhaus ist die Keramik grau oder hellbraun – in der Toskana-Variante für das italienische Landhaus muss natürlich Terrakotta her.
Beim englischen Landhausstil fällt sofort das Wort Cottage: kleine Häuschen mit niedrigen Decken und natürlich offenliegenden Balken. Blumenmuster, Keramik mit englischem Transferware-Dekor. Messingornamente als Wandschmuck. Der typische englische Pub ist der klassische Vertreter dieses Stils. Und natürlich Laura Ashley – der Inbegriff von Landhaus im britischen Stil!
Und was ist mit Deutschland?
Die Vielfalt reicht vom Hof oder der Kate in Norddeutschland bis zum Berghof in Bayern.
Hier ist es uriger: Graue Keramik mit Salzglasur, grob gewebte Stoffe, viel Holz. Bedruckte Baumwollstoffe.
Gerne auch Bauernsilber und Zinn. Aber, siehe oben: nicht zwingend Kiefernmöbel und Bauernmalerei.
Das ist dann eher Chalet- oder Berghüttenstil und gehört in die Alpen.
Der Versuch, diese regionalen und nationalen Eigenheiten einzufangen, ist nur ein Ansatz, um Bilder hervorzurufen: In Hansens Gasse wird auch gerne gemixt, da darf Westerwälder Keramik in Blaugrau neben Fayencen aus Frankreich und Messingleuchtern aus England stehen. Die Einteilungen sollen die Fantasie anregen, nicht eingrenzen.