Über das Putzen, Polieren und Totputzen von altem Silber

Gerade zurück von einer Einkaufstour steht wie immer die Aufbereitung der Artikel und deren Vorbereitung für den Shop auf dem Programm. Die Waschmaschine mit all den schönen Vintage-Textilien läuft, die mitgebrachten Porzellanstücke sind gespült und es ist Zeit, das Silber zu putzen. Und wie immer ist das eine Gelegenheit, die Gedanken ein bisschen schweifen zu lassen – Silber putzen ist fast eine meditative Angelegenheit für mich.

Dieses Mal habe ich einige alte Schalen, ein paar silberne und versilberte Etuis und ein Paar Kerzenleuchter entdeckt. Alte Schätze aus Omas Vitrine, die nur zu besonderen Anlässen herausgeholt wurden. Und immer eifrig geputzt und poliert wurden – bis auf die letzte Zeit, bevor sie auf dem Flohmarkt landeten. Und deswegen sind sie jetzt verschmutzt und angelaufen.

Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, dem entgegenzutreten. Und damit meine ich nicht die Auswahl verschiedener Silberpolituren und Methoden, dazu hier mehr: Wie putzt man Silber? Ich meine die Zielvorgabe beim Putzen und die damit verbundene Intensität. Man kann Silber nämlich auch zugrunde polieren. Das passiert besonders bei verzierten und gravierten Stücken, wenn auf Teufel komm raus jedes bisschen Schwarz verschwinden soll.

Sanft und behutsam, bitte!

Silber, und vor allem versilbertes, möchte sanft und vorsichtig behandelt werden – weil es sehr weich und daher kratz- und stoßempfindlich ist.

Polieren und Putzen mit Scheuerschwämmen oder auch Scheuermilch verursacht Kratzspuren auf der Oberfläche. Zu viel und zu festes Polieren und Putzen kann bei Versilbertem schnell die Silberschicht abtragen. Wenn es goldig schimmert, ist es meist nicht das Gold unter der Versilberung – sondern das Messing. Das kann apart aussehen – oder das Stück ruinieren.

Diesem an sich hochglänzend versilberten Teller ist wohl mal ein Scheuerschwamm zu nahe gekommen.

Man erkennt deutlich die Pirouetten und das Hin und Her beim Putzen – da hilft nur noch professionelles Auspolieren. Das kann sich bei versilberten Stücken als unmöglich erweisen, weil es schnell bis auf das Trägermaterial heruntergeht.

Motive und Gravuren in Silber

Und bei massivem Silber? Da kann das allzu eifrige Hin und Her mit dem Putzlappen aus einer aparten, dreidimensional wirkenden Gravur oder Verzierung eine platte Anordnung von Linien machen: Die Dekore wirken nämlich besonders durch den Kontrast von silbernen und dunklen Flächen.

Bei vielen Stücken wurde bei der Herstellung schon bewusst in den Vertiefungen, Elementen und Gravurlinien der Dekore geschwärzt. Diesr geewollten Effekte können leicht aus Verseen wegpoliert werden. Weniger Putzen ist da oft mehr.

Diese Leuchter konnten ein bisschen Glanz auf den glatten Flächen vertragen. Aber die Motive und Linien wurden ganz bewusst ausgespart – so ist das Dekor effektvoll!

Eine antike Hülle für Streichholzschachteln mit aufwändigem Motiv. Nur die äußeren Flächen wurden poliert. Das Relief ist in den Vertiefungen geschwärzt – und das habe ich mit Absicht so belassen. So kommt die Dimension des Motivs zur Geltung!

Die Versuchung, dieses Zigarettenetui mal so richtig auf Hochglanz zu polieren, ist hoch. Das würde das Rautenmuster aber regelrecht „platt machen".

Das Etui ist über sechzig Jahre alt und das darf man auch sehen. Also wird nur behutsam geputzt, sodass Rand und Gravurfeld wieder glänzen.